Marktbericht KW 42 – Das Ende der Krise? Was von der Euro-Euphorie wirklich zu halten ist

Es sind warme Worte, die aus Brüssel an die Öffentlichkeit dringen und das herbstlich-kalte Europa überraschen – Francois Hollande, charme-erprobtes Staatsoberhaupt der Franzosen, redet bereits das Ende der Euro-Krise herbei: „Ich denke, dass Schlimmste ist vorüber“, sagte er mit Blick auf die dramatische Entwicklung der Staatsschulden in Europa. Parallel wurde bekannt, dass sich die deutsche Bundesregierung bereits darauf festgelegt hat, die nächsten Hilfsgelder an Griechenland in jedem Falle auszuzahlen.

Die Signale der Sicherheit, die derzeit verstärkt ausgesendet werden, können der Europäischen Staatengemeinschaft jedoch schon bald zum Verhängnis werden – denn tatsächlich hat sich in den vergangenen Wochen an den fundamentalen Rahmenbedingungen nichts geändert. An einen Schuldenabbau ist in den südlichen Euro-Staaten nicht zu denken und auch die vermeintlich stabilen Volkswirtschaften wie Deutschland oder Frankreich türmen Tag für Tag neue Schulden auf.

Ein Blick auf die Details zeigt, wie brüchig die Zuversicht von Hollande und Co. tatsächlich ist – so appelliert Kanzlerin Angela Merkel an die Griechen, die Verpflichtungen endlich einzuhalten. Zeitgleich klafft immer noch eine milliardenschwere Finanzierungslücke in dem griechischen Sparpaket. Obwohl die Vertreter der Troika aus IWF, EZB und EU bereits Teile des Sparpakets als unrealistisch kritisiert haben, hat die griechische Regierung keine Alternativen präsentiert.

Auch die Zahlen, die aktuell kursieren, verdeutlichen eindrucksvoll, dass es für ein Aufatmen in Europa keinen Anlass gibt – die Hilfstranche, die Griechenland dringend benötigt, hat einen Umfang von 31,5 Milliarden Euro. Wenn die Griechen den gewünschten Aufschub für ihre Sparanstrengungen von zwei Jahren tatsächlich bekommen, werden nach Angaben des griechischen Finanzministeriums etwa 13 bis 15 Milliarden Euro extra fällig – dies ist der Umfang der Finanzlücke, die immer noch zwischen dem Schuldenstaat und seinen Geldgebern strittig ist. Und damit nicht genug: Seit dem Beginn des zweiten Hilfsprogramms hat sich ein neuer Fehlbetrag aufgebaut, der nach Einschätzung des IWF nicht mit normalen Haushaltsmitteln ausgeglichen werden kann. Der EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski glaubt daher, dass voraussichtlich zusätzliche Kredite, ein Schuldenschnitt oder beides nötig wären.

Und hier lauert eine gewaltige Gefahr – denn in mehreren Ländern dürfte es schwierig werden, parlamentarische Mehrheiten für ein drittes Hilfspaket zu bekommen. Nicht nur in Deutschland, auch in Finnland und den Niederlanden nimmt die Skepsis gegenüber weiteren Notkrediten zu. Egal, was kommt, Europa wird draufzahlen: Auch die ins Gespräch gebrachten Umschuldungspläne, Zins-Rabatte oder Kurzfristanleihen bedeuten Verluste oder höhere Risiken für die Euro-Partner.

Die organisierte Euphorie der europäischen Staats- und Regierungschefs für eine angebliche Lösung der Euro-Krise drückt derzeit auf die Edelmetalle – Gold und Silber haben in dieser Woche leichte Wertverluste hinnehmen müssen. Marktbeobachter halten diese Schwäche jedoch für wenig überraschend – nach der Rallye der letzten Wochen befinden sich die Metalle derzeit in einer Konsolidierungsphase und sichern die Gewinne – allein beim Gold waren es rund 200 Dollar oder satte 12,5 Prozent – ab. Der Kurs-Turbo dürfte schon bald wieder zünden: In Indien beginnt die traditionelle Hochzeitssaison, in den vergangenen Jahren stieg der Goldpreis in dieser Phase stark an. In diesem Jahr findet das indische Lichterfest Diwali am 13. November statt – und wer hier etwas auf sich hält, bringt Gold als Geschenk mit.

Zudem dürfte sich durch die bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer für Silbermünzen ein regelrechter Run auf silberne Philharmoniker, Maple Leafs und Eagles entwickeln. Nach dem ausführlichen Blog-Beitrag von MP Edelmetalle am Mittwoch und einer Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums ist das Thema inzwischen auch in den Mainstream-Medien angekommen. Focus Online erklärt beispielsweise in einem Text, „wie der Staat am Silberboom mitverdienen will“. Nach einem Bericht der WELT soll die Erhöhung tatsächlich im nächsten Jahressteuergesetz verankert werden. Eine Bestätigung des Bundesfinanzministeriums liegt allerdings noch nicht vor.

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