Last-Minute Goldkauf: Absicherung vor Griechenland-Hängepartie

Am Sonntag blickt ganz Europa nach Athen – und es steht ein spannender Abend bevor: Wie sich die Griechen beim geplanten Referendum über den letzten Stand der Sparauflagen entscheiden, ist völlig offen. Je nach Umfrage-Institut liegen abwechselnd die Befürworter und die Gegner der Reformmaßnahmen vorn. Und die Entscheidung über ein Rettungspaket mit weit reichenden Sparauflagen – von einem späteren Renten-Eintrittsalter über die Erhöhung der Mehrwertsteuer bis zur Privatisierung von Staatsbetrieben – dürfte weit reichende Folgen haben.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Pläne der griechischen Regierung für das Referendum machten politische Beobachter rund um die Welt deutlich, dass die Griechen am Sonntag eigentlich über den Verbleib in der Eurozone abstimmen. Denn wenn die Zustimmung zu den Sparauflagen ausbleibt, steht ein Zusammenbruch des griechischen Wirtschafts- und Finanzsystems bevor. Das Vertrauen zwischen den europäischen Finanzministern und ihren griechischen Kollegen hat in den vergangenen Monaten massiv gelitten, die Verhandlungen dürften sich noch komplizierter gestalten als bisher – wenn die Eurogruppe bei einem griechischen „Nein“ denn überhaupt noch verhandeln will.

Doch auch bei einem „Ja“ ist Griechenland noch lange nicht auf der sicheren Seite. Denn wenn sich die Bevölkerungsmehrheit gegen den EU-kritischen Kurs ihrer Regierung stellt, kommt dies einem Mißtrauensvotum gegen Alexis Tsipras und seine Mitstreiter gleich. Finanzminister Yanis Varoufakis hat bereits angekündigt, in diesem Falle noch am Montag zurückzutreten. Auch Ministerpräsident Tsipras hat nebulöse Andeutungen gemacht und einen Rücktritt ins Spiel gebracht. Und wenn der rebellische Syriza-Chef aufgibt, dürften Neuwahlen nur noch eine Frage der Zeit sein.

Eine solche Hängepartie kann sich Griechenland allerdings schlichtweg nicht mehr leisten. Das Land hat bereits damit begonnen, erste Kredite nicht mehr zu bedienen, es ist also de facto zahlungsunfähig. Auch die ELA-Rettungskredite zur Stützung der Banken wurden seit Montag nicht mehr erhöht, die Geldhäuser bluten seitdem aus. Das ursprüngliche Abhebungslimit von 60 Euro musste auf 50 Euro reduziert werden, weil kleine Geldscheine knapp werden. Ein Bankrott könnte praktisch jederzeit eintreten, wenn sich die Abflüsse aus den griechischen Banken verstärken.

Wie es in der kommenden Woche mit Griechenland weitergeht, ist also völlig unklar. Das zweite Hilfsprogramm ist am 30. Juni ausgelaufen. Es müsste also über ein drittes Programm verhandelt werden. Hier könnten sich wochenlange Gespräche anschließen – und schon jetzt steht fest, dass die Konditionen für Griechenland nicht günstiger werden. Und das Land braucht dringend neues Geld: Am 13. Juli ist die nächste Kreditrate an den Internationalen Währungsfonds fällig, 452,1 Millionen Euro müssen gezahlt werden. Dramatisch dürfte es spätestens am 20. Juli werden, wenn Griechenland satte 3,45 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen muss.

Vor dem Hintergrund der Hängepartie in Griechenland ist es erstaunlich, dass der Goldpreis noch keinen großen Sprung nach vorn gemacht hat. An der physischen Nachfrage kann es nicht liegen, denn Edelmetallhändler aus ganz Deutschland – darunter auch MP Edelmetalle – vermelden eine stark gestiegene Nachfrage. Viele Menschen haben sich in den letzten Tagen mit Gold eingedeckt, um ihr Geld gegen mögliche Turbulenzen in Folge der Griechenland-Krise zu schützen. Der Goldpreis pendelt um die Marke von 1.050 Euro sowie 1.150 US-Dollar pro Feinunze. Doch eine weitere Eskalation der politischen Lage in Griechenland könnte schon bald dafür sorgen, dass auch die Preise für „Papiergold“, also Optionsscheine und Zertifikate auf Goldbasis, in die Höhe schnellen.

Wer sein Golddepot noch vor dem Wochenende aufstockt, kann also beruhigt dem Sonntagabend entgegen sehen und das europäische Trauerspiel aus sicherer Entfernung beobachten.

Zur Übersicht