Marktbericht KW9: Gold strahlt – und Goldman Sachs blamiert sich

Der Goldpreis steigt und steigt – und inzwischen sind sogar die Goldskeptiker aufgewacht: So hat beispielsweise die UBS-Bank ihre Prognosen für den Goldpreis angehoben, auf Sicht eines Monats liegt das Preisziel nun bei 1280 Dollar und damit um 100 Dollar über dem ursprünglichen Wert. Eine ähnliche Prognose kommt von der Commerzbank, sie deutet dem Bericht zufolge die jüngste Entwicklung als Ausbruch. „Gold hat langsam angefangen, seinen schlechten Ruf abzulegen“, heißt es in einer Studie der UBS. Für das Comeback des Goldpreises soll demnach nicht nur die Unsicherheit um die Schwellenländer verantwortlich sein, sondern auch der weiterhin rekordverdächtige Goldhunger Chinas. Denn das Reich der Mitte hat – anders als bisher vermutet – im neuen Jahr seine massiven Goldkäufe nicht zurück geschraubt. Und nachdem mehrere wichtige Widerstände gebrochen wurden, hat Gold hat inzwischen Luft bis 1400 US-Dollar. Wichtiges Detail am Rande: Immerhin zieht die Nachfrage nach börsengehandelten Indexfonds, die mit physischem Gold unterlegt sind, stark an.

China bleibt also auch 2014 ein wichtiger Faktor bei der Goldnachfrage – hier besteht allerdings verstärktes Problempotenzial. Denn laut einer Studie der Société Généraleist ein Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft im Laufe dieses Jahres wahrscheinlich. Die Auswirkungen für die Weltwirtschaft wären in einem solchen Fall gravierend. Dem Bericht zufolge kämpft die zweitgrößte Volkswirtschaft mit Kreditausfällen, Immobilienblasen und Kapitalflucht. Das Wirtschaftswachstum von China könnte sich demnach halbieren. Im Laufe des Jahres 2014 sind Anleihen im Umfang von etwa einer Milliarde Euro vom Zahlungsausfall bedroht. Zudem wird die Wirtschaft in China durch steigende Verschuldungsraten und eine gigantische Immobilienblase belastet. Allerdings spricht auch eine solche Krisensituation für Gold – China kauft derzeit massiv Gold und US-Staatsanleihen, um im Krisenfall gerüstet zu sein.

Während das Gold-Bashing der vergangenen Wochen inzwischen wieder der Vergangenheit angehört, wird ein ganz besonderer Gold-Liebhaber zur Lachnummer: Die Investment-Bank „Goldman Sachs“ hat sich in den vergangenen Monaten massiv mit Gold eingedeckt, obwohl die Rohstoffanalysten des Geldhauses weiterhin fest davon überzeugt sind, dass der Goldpreis bis Ende 2014 auf 1050 US-Dollar fällt. Die US-Börsenaufsicht hat nun Gerüchte bestätigt, nach denen Goldman Sachs für 77,2 Millionen Dollar Anteile am weltweit größten Gold-Exchange-Traded-Fund SPDR Gold Trust (GLD) erworben und damit ihre Anteile um satte 21 Prozent aufgestockt hat.

Die Beratungsgesellschaft Fideres hat sich die Goldpreise von Januar 2010 bis Dezember 2013 genau angeschaut und Erstaunliches festgestellt: Möglicherweise war jeder zweite in London festgestellte Goldpreis in diesem Zeitraum manipuliert. Auffällig viele Preisbewegungen waren zu beobachten, bei denen der Goldpreis häufig zu Beginn des Goldpreis-Fixings entweder stark steigt oder fällt, um dann beinahe exakt zum Ende der Konferenz in die jeweils entgegen gesetzte Richtung zu steuern. Damit bekommt der jahrelang geäußerte Verdacht einer Goldpreis-Manipulation eine neue Dynamik.

Dynamisch treibt auch die Deutsche Bundesbank ihre Bemühungen um eine Rückführung des deutschen Goldes aus Tresoren in den USA voran. „In diesem Jahr werden wir 30 bis 50 Tonnen verlagern, vielleicht auch mehr“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Im vergangenen Jahr wurden bereits 37 Tonnen zurück geholt, davon 32 aus Frankreich und 5 aus den USA. Seit den fünfziger Jahren lagern die deutschen Goldreserven in internationalen Tresoren.

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