Marktbericht KW 51 – Warum die Gold-Schwäche nur von kurzer Dauer sein wird

So mancher Edelmetallanleger dürfte während der Weihnachtsfeiertage den Computer wegschließen und den Fernseher verstecken – aus Angst, sich die Laune durch weiter fallende Kursnotierungen für Gold und Silber vermiesen zu lassen. Aus dem goldenen Herbst ist auf dem Edelmetallmarkt ein frostiger Winter geworden, Gold hat in den vergangenen zwei Wochen einen Teil der bisherigen Jahresgewinne – zwischenzeitlich lag das gelbe Metall im Vergleich zum Jahresanfang über 12 Prozent im Plus – wieder abgegeben. Am Donnerstag wurde sogar die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie gerissen, was zu Anschlussverkäufen führte und den Rückgang weiter befeuerte.

Kursrücksetzer hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben – doch die aktuelle Goldschwäche fällt aus dem Rahmen, weil es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt. Im Gegenteil: Die Inflationsgefahr nimmt weiter zu. Gerade erst hatte die US-Notenbank FED ein Ankaufsprogramm für Schuldtitel im Umfang einer Billion US-Dollar pro Jahr aufgelegt. Parallel rückt eine Einigung zwischen US-Regierung und der republikanischen Partei um einen Haushalt für das neue Jahr in weite Ferne. Es mehren sich die Insiderstimmen, die eine Einigung vor dem Jahreswechsel ausschließen. Im Klartext: Nicht nur die sogenannte „fiskalische Klippe“ steht kurz bevor, sondern auch Steuererhöhungen, mit denen die USA geradewegs in die Rezession geschickt werden.

Praktisch alle Gründe, die jetzt für eine Fortsetzung der Schwäche auf dem Edelmetallmarkt gemüht werden, stellen sich beim näheren Hinsehen als nicht tragfähig heraus. Ein Beispiel: Kein vernünftiger Marktbeobachter wird anzweifeln, dass die Heraufstuftung der Kreditwürdigkeit Griechenlands um sechs Stufen von langer Dauer sein wird. Denn das krisengeschüttelte Land steckt weiterhin tief in den Schulden und häuft Monat für Monat neue Milliarden in roten Zahlen an.

Eines steht fest: Als der Goldpreis vor etwa zwei Wochen in den Keller geschickt wurde, war keines der ursprünglichen Probleme der europäischen Schuldenkrise auch nur ansatzweise gelöst. Im Gegenteil: Griechenland könnte schon bald von anderen Ländern in den Schatten gestellt werden, wenn beispielsweise in Italien mal wieder Silvio Berlusconi an die Macht kommt. Obwohl Italien gerade erst die sensationelle Schuldenmarke von 2000 Milliarden Euro überschritten hat, dürfte Italen künftig die Geduld seiner europäischen Partner noch stärker strapazieren: Berlusconi will die Sparpolitik, die von den „unsolidarischen und egoistischen Deutschen“ auferlegt worden sein soll, rückgängig machen.

Während in diesen Tagen einige verunsicherte Goldbesitzer ihre Schätze abstoßen, macht das Verhalten der Zentralbanken in aller Welt deutlich, dass ein Ausverkauf beim Gold völlig undenkbar ist – im Gegenteil: Die staatlichen Geldhäuser greifen zu. Brasilien hat im November insgesamt 14,7 Tonnen des gelben Metalls gekauft und besitzt nun 67,2 Tonnen. Im Oktober hatte Brasilien bereits 17,2 Tonnen Gold gekauft und damit innerhalb von nur zwei Monaten seine Goldbestände verdoppelt. Auch andere große Staaten wie Russland decken sich weiterhin mit Gold ein. Auch die börsennotierten Goldfonds verzeichnen Rekordzuflüsse, ihr Bestand liegt derzeit bei 2600 Tonnen Gold – so viel wie nie zuvor.

Erfahrene Edelmetall-Investoren dürften ohnehin ein ruhiges Weihnachtsfest erleben, denn sie wissen: Preisrücksetzer kurz vor den Feiertagen standen in den vergangenen Jahren regelmäßig auf der Tagesordnung. Dieser Effekt tritt unter anderem ein, weil viele Institutionen gerade ihre Bilanzen bereinigen und damit auch Gold abstoßen. Im Dezember des vergangenen Jahres hatte Gold beispielsweise rund 200 Dollar verloren – im Januar war dieser Verlust schnell ausgeglichen. Und auch in diesem Jahr setzt die Erholung bereits vor Weihnachten ein – am heutigen Freitag legte der Goldpreis auf Eurobasis wieder stark zu.

Während der Weihnachtstage sollten Anleger ein Auge auf die Nachrichten aus den USA werfen – nachdem die Verhandlungen um den Haushalt in der republikanischen Partei am Freitag eskaliert waren, ist eine Einigung in weiter Ferne gerückt. Dieser überraschende Rückschlag hat sofort die Börsen belastet, der Dax gab nach – und Gold war der Gewinner des letzten Handelstages vor Weihnachten. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, wenn die „fiskalische Klippe“ näher rückt. Schon jetzt droht die Ratingagentur Fitch den USA mit einer Herabstufung, falls sich Demokraten und Republikaner nicht bald einigen. Die Ratingagentur kritisiert die „vermeidbare und unnötige“ Rezessionsgefahr, die durch die automatischen Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen im Umfang von 600 Milliarden Dollar bevorsteht.

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