Ist Silber jetzt spottbillig? Neue Studie stellt das Gold-Silber-Verhältnis auf den Prüfstand!

Gold oder Silber – welches Edelmetall ist aktuell attraktiver? Seit Jahrzehnten schauen Anleger dabei auf eine einzige Kennzahl: das Gold-Silber-Verhältnis. Doch ist dieses sogenannte Gold-Silber-Ratio im Zeitalter von ETFs, Kryptowährungen und Fiat-Geld überhaupt noch relevant? Genau dieser Frage ist jetzt eine umfangreiche wissenschaftliche Studie des Silver Institute nachgegangen. Das Ergebnis dürfte viele überraschen. Denn die Forscher kommen zu dem Schluss: Das Gold-Silber-Verhältnis funktioniert bis heute – und genau deshalb könnte Silber derzeit deutlich günstiger sein, als viele Anleger glauben.

Das Gold-Silber-Verhältnis gehört zu den ältesten Finanzkennzahlen der Welt. Bereits im alten Ägypten und später im Römischen Reich spielte das Verhältnis zwischen beiden Edelmetallen eine zentrale Rolle. Über Jahrtausende diente es sogar als Orientierung für Währungen und den internationalen Handel.

Doch viele Anleger fragen sich heute: Hat eine Kennzahl mit einer fast fünftausendjährigen Geschichte im modernen Finanzsystem überhaupt noch einen Nutzen?

Genau das wollte das Silver Institute untersuchen.

In einer mehr als 30 Seiten umfassenden Studie haben die Autoren historische Daten ausgewertet, statistische Analysen durchgeführt und untersucht, welche Faktoren das Verhältnis zwischen Gold und Silber tatsächlich beeinflussen.

Die erste Überraschung lautet:

Das Gold-Silber-Verhältnis bewegt sich langfristig eben nicht zufällig.

Die Studie kommt vielmehr zu dem Ergebnis, dass sich das Verhältnis immer wieder einem langfristigen Gleichgewicht annähert. Statistisch liegt dieser Mittelwert bei rund 60. Mit anderen Worten: Weicht das Verhältnis über längere Zeit deutlich davon ab, spricht vieles dafür, dass Gold und Silber langfristig wieder näher zusammenfinden.

Das ist eine spannende Erkenntnis.

Denn viele Anleger betrachten das Ratio lediglich als Momentaufnahme. Tatsächlich scheint es aber deutlich mehr über die relative Bewertung beider Edelmetalle auszusagen.

Noch interessanter wird die Frage, warum sich dieses Verhältnis überhaupt verändert.

Die meisten vermuten sofort die Industrie.

Schließlich wird Silber in der Elektronik, der Solarindustrie oder der Medizintechnik benötigt, während Gold vor allem als Wertspeicher dient.

Doch genau dieses weit verbreitete Argument stellt die Studie infrage.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass industrielle Nachfrage zwar eine Rolle spielt, langfristig aber nicht der wichtigste Einflussfaktor ist. Entscheidend ist vielmehr die Investmentnachfrage – also die Frage, welches der beiden Edelmetalle Anleger gerade bevorzugen.

Und genau hier zeigt sich ein weiterer spannender Trend.

Seit einigen Jahren kaufen Zentralbanken weltweit enorme Mengen Gold. Silber spielt in den Reserven der Notenbanken dagegen praktisch keine Rolle. Dadurch entsteht eine zusätzliche Nachfrage nach Gold, die das Gold-Silber-Verhältnis nach oben treiben kann.

Gerade seit dem Jahr 2022 hat dieser Effekt nach Einschätzung der Autoren erheblich an Bedeutung gewonnen. Die massiven Goldkäufe der Zentralbanken haben dazu beigetragen, dass Gold Silber zeitweise deutlich outperformt hat.

Heißt das nun automatisch, dass Silber heute unterbewertet ist?

Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Die Studie behauptet ausdrücklich nicht, dass das Gold-Silber-Verhältnis ein perfekter Prognoseindikator ist. Kurzfristig kann das Ratio über Jahre von seinem langfristigen Durchschnitt abweichen. Märkte reagieren schließlich auf Zinspolitik, Krisen, Spekulationen und viele weitere Faktoren.

Dennoch lautet das Fazit der Forscher eindeutig.

Das Gold-Silber-Verhältnis besitzt auch heute noch Aussagekraft. Gold und Silber werden eben nicht ausschließlich als Rohstoffe gehandelt, sondern weiterhin auch als monetäre Vermögenswerte. Genau deshalb liefert das Verhältnis wichtige Hinweise darauf, ob eines der beiden Edelmetalle im historischen Vergleich eher teuer oder eher günstig bewertet ist.

Für Anleger ergibt sich daraus eine interessante Überlegung.

Wenn das Gold-Silber-Verhältnis langfristig tatsächlich immer wieder zu seinem historischen Mittel zurückkehrt, könnte Silber in Phasen eines besonders hohen Ratios attraktiver werden. Umgekehrt könnte Gold interessanter erscheinen, wenn das Verhältnis außergewöhnlich niedrig ist.

Natürlich ersetzt eine einzelne Kennzahl niemals eine umfassende Analyse.

Aber sie kann dabei helfen, die aktuelle Bewertung von Gold und Silber besser einzuordnen.

Das Gold-Silber-Verhältnis ist weit mehr als eine historische Kuriosität. Die neue Studie zeigt eindrucksvoll, dass zwischen beiden Edelmetallen auch heute noch eine enge langfristige Beziehung besteht. Wer sowohl Gold als auch Silber im Portfolio hat, sollte dieses Verhältnis deshalb regelmäßig im Blick behalten. Denn manchmal verrät es mehr über die Märkte, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

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