Deutsche Goldreserven: 120 Tonnen sind zurück in Frankfurt

Seit 2013 holt die Deutsche Bundesbank das deutsche Gold aus Paris und Frankfurt zurück – nicht zuletzt auf öffentlichen Druck, denn um die Goldreserven ranken sich Verschwörungstheorien. Und die Notenbanker machen offenbar Druck: Im vergangenen Jahr wurden 120 Tonnen zurück transportiert, bis 2020 soll die Hälfte des deutschen Goldes wieder in Frankfurt lagern.

Die Bundesbank hat bei der Rückführung der deutschen Goldreserven weitere Fortschritte vermeldet. Wie die deutsche Notenbank am Montag in Frankfurt mitteilte, seien im Jahr 2014 zusätzliche 120 Tonnen Gold aus Lagern in New York und Paris nach Frankfurt zurück geholt worden. Anfang 2013 hatte die Bank ein neues Lagerstellenkonzept für Gold vorgestellt. Nach Angaben der Bundesbank wird der Zeitplan weiter eingehalten. Im vergangenen Jahr wurden demnach 35 Tonnen aus Paris und 85 Tonnen aus New York geholt. Bis 2020 soll mehr als die Hälfte der aktuell 3384 Tonnen in heimischen Tresoren gelagert werden, bisher sind rund 23 Prozent der Goldmenge nach Frankfurt geholt worden.

Der deutsche Goldschatz lagert bislang noch größtenteils in ausländischen Tresoren – insbesondere in Sicherheitsanlagen der Federal Reserve Bank in New York. Und um diese Lagerung ranken sich wilde Verschwörungstheorien. Die Bundesbank ist Spekulationen, laut denen sich in den Tresoren gar kein deutsches Gold mehr befindet, in der Vergangenheit wiederholt energisch entgegen getreten – doch die Kritiker konnten bislang nicht zufrieden gestellt werden. Eine Inaugenscheinnahme und ein darauf folgender Vergleich der Barrennummern mit den Bestandslisten ist jahrelang nicht erfolgt.

Andere Staaten sind bei der Rückführung ihres Goldes deutlich entschlossener – Frankreich hat unter seinem Präsidenten de Gaulle das französische Gold bereits in den 1960er-Jahren mit Atom-U-Booten von der hoch angesehenen Notenbank aus New York nach Paris geholt. Und andere Länder wie Österreich oder Belgien haben 2014 angekündigt, ihr Gold nach Hause zurück zu holen. In der Schweiz ist eine entsprechende Initiative allerdings gescheitert.

Die Informationslage rund um das deutsche Gold mutet durchaus kurios an und gab Anlass zum Handeln: Offiziell war gar nicht klar, wo das deutsche Gold überall lagert. Immer wieder ist zu hören, dass der weit überwiegende Teil bei der Federal Reserve Bank in New York gelagert ist. Der Buchautor Dimitri Speck hat auf Grundlage von Quellen des deutschen Nachrichtenmagazins „Stern“, der FED sowie der Bundesbank errechnet, dass etwa 66 Prozent der Goldreserven in New York, 21 Prozent in London, 8 Prozent in Paris und lediglich 5 Prozent in den Goldspeichern der Deutschen Bank in Mainz und Frankfurt liegen sollen.

Und diese Lagerpolitik stieß den Kritikern übel auf. Immerhin hat die US-Notenbank die Lagerstätte in Manhattan für 60 Nationen geöffnet, insgesamt 550.000 Barren sollen dort verwahrt werden – die Initiative kritisiert auf ihrer Internetseite die „völlig intransparente Lagerung der Goldbestände in ausländischen Lagern mit unklarer Eigentümerstruktur“. Zudem sei ein physischer Voll-Audit mit öffentlichem Bericht und Bilanzierung nach geltendem kaufmännischem Recht überfällig. Die größte Sorge: Im Krisen- oder Kriegsfall könnte das deutsche Gold von fremden Mächten abgegriffen werden. Vor ähnlichen Gedanken dürfte auch Otto Normalverbraucher stehen.

Tatsächlich stellt sich die Frage, warum deutsche Goldreserven überhaupt in aller Welt verstreut sind. Ein Blick in die jüngere Geschichte verschafft Klarheit: Als die deutsche Außenwirtschaft in den Fünfziger und Sechziger Jahren boomte, nahm die Bundesrepublik als Bezahlung für Ihre Güter auch Goldreserven von anderen Ländern an – besser gesagt: Der Besitz von Gold, welches bereits in den Tresoren lagerte, wurde der deutschen Bundesbank überschrieben. Zudem sind Bau und Lagerung einer geeigneten Goldlagerstätte mit hohen Kosten verbunden.

Die Diskussion um das deutsche Gold bringt auch für Privatanleger so manche Lehre mit sich und macht deutlich, warum sich so viele Anleger für eine Lagerung ihres Goldes in den eigenen vier Wänden entscheiden. Zudem dürften die Meldungen um den Rücktransport der Goldreserven auch einen gewissen Werbeeffekt haben: Nachdem es in den letzten Wochen etwas ruhig um den Edelmetallmarkt geworden ist, rückt der goldene Krisenschutz wieder in den Fokus – dies ist bereits jetzt an steigenden Preisen für Gold und Silber zu erkennen.

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