Fed-Chef Warsh überrascht die Märkte: Was bedeutet das für Gold?
Die US-Notenbank hat erst im September die Zinsen erhöht. Viele Anleger fürchten weitere Zinsschritte. Doch jetzt sorgt Fed-Chef Kevin Warsh mit optimistischen Aussagen für Bewegung an den Finanzmärkten. Er preist eine Investitionswelle durch künstliche Intelligenz – und lässt den nächsten Zinsschritt offen. Was bedeutet das für den Goldpreis?
Bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Bangkok zeichnete Warsh am Freitag ein zuversichtliches Bild der amerikanischen Wirtschaft. Er sehe strukturelles Wachstum und starke Investitionen. Besonders die künstliche Intelligenz treibe diese Entwicklung voran. Milliarden fließen in Rechenzentren, Halbleiter und Energie. Der Aufschwung beschränke sich längst nicht mehr auf die Technologiebranche.
Das ist bemerkenswert, denn zuletzt waren an den Börsen Zweifel aufgekommen, ob sich die gewaltigen KI-Investitionen rechnen. Warsh hält dagegen: Die Technologie könnte die Produktivität langfristig kräftig steigern. Unternehmen könnten effizienter produzieren. Aktien reagierten zunächst freundlich, doch die Sorgen um einzelne KI-Unternehmen blieben.
Doch es gibt einen Haken. Zunächst verschlingt der KI-Ausbau enorme Summen. Die Nachfrage nach Technik, Strom und Arbeitskräften wächst schneller als die erhofften Produktivitätsgewinne. Das kann Preise nach oben treiben. Erst später könnte KI helfen, Kosten und Inflation zu begrenzen. Der Übergang bleibt schwierig.
Genau das bringt die amerikanische Notenbank in eine schwierige Lage. Im September erhöhte sie den Leitzins erstmals seit 2023 um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 bis 4 Prozent. Der Grund: Die Inflation ist weiterhin zu hoch. Im September stiegen die amerikanischen Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent. Hohe Energiepreise verschärfen das Problem. Das Inflationsziel der Fed liegt bei zwei Prozent.
Viele Investoren hatten deshalb befürchtet, dass bereits Ende Oktober die nächste Zinserhöhung folgen könnte. Warsh vermied in Bangkok jedoch eine klare Ankündigung. Die Wirtschaft entwickle sich wie erwartet. Über die Zinsen werde erst bei den anstehenden Sitzungen entschieden. Die Märkte werteten das als Signal gegen eine sofortige Erhöhung – obwohl es keine Zusage war.
Die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober sank zeitweise von rund 27 auf weniger als 15 Prozent. Der US-Dollar gab nach, und auch Gold profitierte zwischenzeitlich. Der Goldpreis näherte sich zeitweise wieder der Marke von 4.200 US-Dollar je Feinunze.
Warum ist das so wichtig? Gold wirft keine Zinsen ab. Wenn amerikanische Staatsanleihen höhere Renditen bieten, werden sie für manche Investoren attraktiver. Sinkt dagegen die Erwartung weiterer Zinserhöhungen, kann das Gold entlasten. Ein schwächerer Dollar macht das Edelmetall zudem für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger.
Doch Entwarnung wäre verfrüht. Warsh hat keine Zinswende verkündet. Für Dezember rechneten die Märkte am Freitag weiterhin überwiegend mit einer weiteren Anhebung. Zudem könnte der KI-Boom die Inflation zunächst anheizen. Was langfristig gut für die Wirtschaft ist, muss kurzfristig also nicht gut für Gold sein.