Silber vor der nächsten Rallye? Neue Prognose bis 2027 überrascht!
Silber hat Anleger in diesem Jahr regelrecht durchgeschüttelt. Nach dem spektakulären Höhenflug Anfang des Jahres folgte eine heftige Korrektur. Viele fragen sich deshalb: War das bereits das Ende der Silber-Rallye? Oder steckt noch deutlich mehr Potenzial in dem Edelmetall? Genau dieser Frage widmet sich jetzt eine aktuelle Marktstudie des Vermögensverwalters WisdomTree. Das Fazit: Silber dürfte weiter steigen – allerdings deutlich langsamer als viele Anleger hoffen.
Wer Anfang des Jahres auf den Silberpreis geschaut hat, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Zeitweise schoss Silber auf über 120 US-Dollar je Feinunze. Doch diese Euphorie hielt nicht lange an. Inzwischen notiert der Preis wieder bei rund 60 US-Dollar. Für viele Anleger wirkt das wie ein Rückschlag.
Doch genau hier setzt die Analyse von WisdomTree an. Die Autoren sehen den Preisrückgang keineswegs als Zeichen dafür, dass der Bullenmarkt vorbei ist. Vielmehr sei die Rallye Anfang des Jahres schlicht zu schnell und zu stark verlaufen. Ein dauerhaftes Preisniveau von über 120 Dollar hätte nach Einschätzung der Analysten erhebliche Folgen für die Industrie gehabt.
Denn Silber ist eben nicht nur ein Edelmetall. Es ist gleichzeitig ein wichtiger Industriemetall. Steigt der Preis zu stark, beginnen Unternehmen nach Alternativen zu suchen. Dieser Prozess wird als „Thrifting“ bezeichnet. Das bedeutet: Hersteller versuchen, den Silberverbrauch zu reduzieren oder Silber teilweise durch andere Materialien zu ersetzen. Genau das könnte laut WisdomTree bereits bei einem Preisniveau um 60 Dollar beginnen.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Solarindustrie. In den vergangenen Jahren war sie einer der wichtigsten Wachstumstreiber für die Silbernachfrage. Doch hier erwarten die Analysten eine Abschwächung. Vor allem in China wurden im vergangenen Jahr außergewöhnlich viele Solaranlagen installiert. Hintergrund waren Änderungen bei den Stromtarifen, wodurch zahlreiche Projekte vorgezogen wurden. Die Folge: Im laufenden Jahr dürfte die chinesische Nachfrage nach Silber für Solaranlagen geringer ausfallen.
Allerdings bedeutet das nicht automatisch eine sinkende weltweite Nachfrage. Andere Regionen investieren weiterhin massiv in erneuerbare Energien. Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und der Suche nach größerer Energieunabhängigkeit könnte der Ausbau der Solarenergie außerhalb Chinas sogar zunehmen.
Noch wichtiger ist jedoch ein anderer Zusammenhang. Für WisdomTree bleibt Silber eng an Gold gekoppelt. Die Analysten gehen davon aus, dass beide Edelmetalle von einem weiterhin günstigen makroökonomischen Umfeld profitieren könnten. Sollte Gold wieder steigen, dürfte Silber diesem Trend folgen – allerdings wie so oft mit deutlich stärkeren Ausschlägen.
Das erklärt auch die eigentliche Preisprognose. WisdomTree erwartet einen Anstieg des Silberpreises auf rund 70 US-Dollar je Feinunze bis zum zweiten Quartal 2027. Das klingt zunächst beeindruckend. Verglichen mit den Spekulationen vom Jahresbeginn ist diese Prognose allerdings bewusst vorsichtig.
Denn mehrere Faktoren dürften den weiteren Preisanstieg begrenzen. Zum einen rechnen die Analysten mit einer steigenden Minenproduktion. Hohe Preise führen häufig dazu, dass Bergbauunternehmen ihre Investitionen ausweiten. Da zwischen Investition und tatsächlicher Förderung jedoch oft mehrere Jahre liegen, kommen neue Produktionsmengen zeitverzögert auf den Markt.
Genau dieser Effekt könnte das Angebot in den kommenden Quartalen erhöhen. Außerdem erwarten die Experten, dass sich das derzeitige Angebotsdefizit am Silbermarkt langsam verkleinert. Hinzu kommt ein weiterer Punkt.
Während der Handelskonflikte und der Unsicherheiten zu Beginn des Jahres wurden große Mengen Silber in die USA gebracht. Sollten sich die Märkte weiter beruhigen, könnten diese Bestände wieder international verteilt werden. Dadurch würde sich die zuletzt angespannte Versorgungslage entspannen.
Auch Indien spielt eine wichtige Rolle. Das Land gehört zu den größten Käufern von Silbermünzen, kleinen Silberbarren und Silberschmuck weltweit. Im Mai 2026 erhöhte die indische Regierung jedoch die Einfuhrzölle auf Silber deutlich. Damit wollte sie die Belastung der Handelsbilanz reduzieren, die unter anderem durch hohe Energieimporte infolge des Iran-Krieges entstanden war.
Sollten die Energiepreise wieder sinken und sich die geopolitische Lage entspannen, könnten diese Zölle irgendwann wieder reduziert werden. WisdomTree berücksichtigt dieses Szenario derzeit allerdings noch nicht in seiner Prognose.
Besonders interessant ist das Fazit der Studie. Die Analysten glauben ausdrücklich nicht an eine Wiederholung der spekulativen Preisexplosion vom Jahresbeginn. Stattdessen erwarten sie einen deutlich gesünderen Markt. Einen Markt, der weniger von kurzfristiger Euphorie und mehr von fundamentalen Faktoren getragen wird.
Dazu gehören die Entwicklung des Goldpreises, die industrielle Nachfrage, die weltweite Minenproduktion und die allgemeine wirtschaftliche Lage. Genau deshalb sprechen die Autoren von einem Markt mit weiterem Aufwärtspotenzial – aber eben ohne Sprint.
Die Studie liefert einen nüchternen Gegenpol zu den oft spektakulären Kursprognosen im Edelmetallmarkt. Ja, WisdomTree sieht weiteres Potenzial für Silber. Aber die Analysten erwarten keine Verdopplung oder Verdreifachung des Preises innerhalb weniger Monate. Vielmehr rechnen sie mit einem nachhaltigen Anstieg, der durch fundamentale Entwicklungen gestützt wird.
Für langfristig orientierte Anleger dürfte genau das die interessantere Botschaft sein. Nicht die nächste spektakuläre Schlagzeile entscheidet über den Erfolg einer Silberanlage. Sondern die Frage, ob Angebot und Nachfrage langfristig weiterhin zugunsten des Edelmetalls sprechen.